Studiengebühren

Ganz geschickt gemacht vom Land (NRW) - es wird den Unis der schwarze Peter des Protestes zugeschoben, indem ihnen gesagt wird "Ihr kriegt kein Geld mehr von uns - aber ihr dürft Studiengebühren erheben. Wenn ihr pleite geht, meldet halt Insolvenz an". Ich kann jede Uni, die daraufhin Studiengebühren erhebt, verstehen - warum sollte man auch pleite gehen wollen. Dies heißt allerdings nicht, dass es in irgendeiner Art und Weise befürwortet werden könne, Bildung zu einer Ware zu machen, für die man gefälligst zu zahlen hat und wenn man sie sich nicht leisten kann, entweder einen Kredit aufzunehmen oder auf sie zu verzichten hat. Was ist denn der Effekt davon? Eins ist klar: es wird weniger Studenten geben, diese werden in zwei Gruppen unterteilt sein; hier die Kinder reicher Eltern, dort die hoffnungslosen Idealisten, die den Kredit aufnehmen. Ich frage mich, was mit dann den Abiturienten passieren soll, deren Eltern weder sich die Gebühren leisten können noch einen Kredit aufnehmen wollen. Duale Studiengänge (ist wie eine duale Ausbildung, nur mit Berufsakademie-"Studium" ) ? Ein rapider Anstieg der Ausbildungen zu Bürokaufmann/frau? Nimmt man dazu noch die Entwicklung hin zu Bachelor/Master-Studiengängen, sieht man eindeutig, dass hier das Bildungssystem voll und ganz auf die Wirtschaft ausgerichtet werden soll (inklusive positivem Nebeneffekt, nämlich dass "soziale Mobilität" die Entwicklung weg von einem schönen Wort hin zur Dudenleiche macht). Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch, dass zwar gleichzeitig die theoretische Qualität des Studiums stark beschnitten wird (dadurch, dass in Bachelor/Master-Studiengängen sämtliche für die Wirtschaft unnützen, rein theoretischen und wissenschaftlichen Inhalte gestrichen werden) und gleichzeitig von einer Erhöhung der Studienqualität durch Gebühren gesprochen wird - hallo?!
Aber viel interessanter finde ich noch, dass diese Entwicklung noch nichtmal kapitalistischen Ansprüchen auf Dauer genügen wird:
Durch die Wandlung hin zu einer sog. "Wissensgesellschaft" dürfte die vielbeschworene "internationale Wettbewerbsfähigkeit" stark sinken, wenn es immer weniger Akademiker und dafür immer mehr Arbeiter und mittlere Führungskräfte (von der Berufsakademie, denn nichts anderes wird dort gezüchtet) gibt.

Und ja, das Thema sollte jeden interessieren, denn es geht hier nicht nur um die Belange einer unwichtigen Randgruppe, es geht darum, dass dies der Anfang ist, das gesamte Bildungssystem zu privatisieren. Mal ganz abgesehen davon, dass sich jeder, der gerade so oder auch nicht ganz mit seinem Geld klarkommt, beleidigt fühlen dürfte von folgenden Worten des Bonner Unirektors: "Wer wegen 80 bis 100 Euro Zusatzkosten im Monat nicht mehr studieren geht, dem ist doch sowieso nicht mehr zu helfen."

15.11.06 21:23

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


jule (15.11.06 22:46)
hey basti =)
guter text, wusst ich das meiste zwar schon aber schön geschrieben... könnt mich auch schon wieder aufregen...!
=) jule

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